Gruß aus der DR

Liebe Haiti-Freunde,

Mein PC hat nur noch 8 % Akku … und das Ladegerät ist mir kaputtgegangen. Es wird nicht einfach sein, hier ein neues herzubekommen. Ich muss mich mit dem Schreiben beeielen… Doch es gibt ein paar Sachen, die ich unbedingt loswerden möchte.
Längere Zeit habt ihr nichts von mir gehört. Auch die Haiti-Rundbriefe, die ich zuerst monatlich schreiben wollte, blieben aus. Sorry :/
Ich kann aber nicht versprechen, dass das sich in Zukunft besonders ändern wird. Es steht uns sehr sehr viel Arbeit bevor, und meist ist die Zeit dann zu kurz für Korrespondenz in die Heimat … doch hoffe ich sehr, dass ich trotzdem für mich betet, auch wenn ich nichts im Blog stehen habe, oder ich eure Mails vergesse zu beantworten, denn gerade wenn ihr nichts von mir hört brauche ich eure Gebete hier am meisten.
Letzte Zeit war nicht einfach gewesen. Der ‚Rausch‘ ist vorüber, ich bin im Alltag angekommen. Hin und wieder macht sich auch Heimweh breit. Im Februar war ich über eine Woche krank. Ich kann mich nicht erinnern, mich je so schlecht und schlapp gefühlt zu haben, doch Gott sei Dank, ich bin wieder gesund geworden. An dieser Stelle möchte ich allen Danke sagen, die in dieser Zeit für mich gebetet haben.
Letzte Zeit erlaubt sich unser Nacht-Sequrity sehr viel. Er merkte nicht, wie vor 2 Wochen uns 30 Meter Stromkabel gestohlen wurde, zum wiederholten Mal habe ich ihn beim Schlafen erwischt. Das ist nur ein Teil, seiner Vergehen. Ich versuchte mit ihm zu reden, doch er ließ sich nichts sagen. Bitte betet, dass wir auch hier eine Lösung finden, evt. jemand anders finden, eine Firma anheuern oder auch einfach nur einen guten Wachhund besorgen. Ich weiß gerade nicht was am Besten ist.
Vergangene Woche war recht anstrengend. Manuela und Susanne waren für paar Tage in der Dom Rep. Neben all meinen Aufgaben, hatte ich mich nun auch noch für das Frühstück/Abendessen, die Buchhaltung, die Babys … einfach alles zu kümmern. Doch war ich dankbar, dass Nadine aus Deutschland am Sonntag ankam und mir, vor allem mit den Babys und dem Essen vorbereiten eine große Hilfe war.
Zurzeit bin ich in der Dominikanischen Republik, an der Ostküste, in Punta Cana. Es sind nur 531 km von Port Au Prince, der Westküste, bis hierher. Doch was für ein Unterschied! Es sind 2 Welten. Hier machen die Reichen aus der gesamten westlichen Welt Urlaub. Hier ist Wohlstand, Luxus, die Infrastruktur ist ausgebaut, ein Paradies. Eine Hotelanlage neben der anderen. Hunderttausende Dollar werden für Vergnügungen ausgegeben. Allein in unserem Hotel 5 verschiedene Restaurants. Eine Creperie. Eine Snackbar, 5 weitere Bars … alles ist im Überfluss. Es ist kaum zu fassen, dass auf der anderen Seite der Insel gerade Menschen hungern, sterben. Ich finde das Ungerecht… Paar hundert Kilometer weiter im Osten wären Menschen froh, die dreckigen Teller der Urlauber hier einfach nur ablecken zu dürfen, doch hier landet Essen kiloweise unangerührt im Müll … Hin und wieder komme ich aus etwas Small-Talk in ein längeres Gespräch mit dem ein oder anderen Urlauber. Und wenn ich dann erzähle was ich so mache, und was auf dieser gleichen Insel gerade passiert, fühlen sich viele plötzlich unwohl und gehen mir aus dem Weg. Leider verschließen wir so oft die Augen für das Leid dieser Welt …
Es gibt auch paar gute Nachrichten. Das Geld für die Anzahlung des Grundstücks ist zusammen! Ende dieses Monats kommt der Missionar aus Deutschland um den Deal abzuschließen. Bitte betet dass hier alles glatt über die Bühne läuft, und wir nicht betrogen werden.
Doch hat Gott bisher alles so klasse geleitet in diesem Fall, Türen geöffnet und Wege geebnet, Herzen der Spender angerührt, ich bin mir sicher dass er sein Werk hier vollenden wird. Unsere Sache ist zu beten, vertrauen und die Arbeit hier anzupacken. Doch nur Er kann Gelingen schenken.
Heute habe ich auch erfahren, dass die Organisation Helft uns Leben e.V., ein Nebenverein der Rhein-Mainzeitung weitere 7 kleine einfache Häuschen finanzieren wird. 4 davon dürfen wir auf dem Gelände für das Kinderdorf aufbauen lassen. Doch vorher muss das Gelände aufgeschüttet und eingemauert werden.
Während Eduard sich um den Papierkram, den Grundstückskauf, die Kooperation mit den anderen Hilfsorganisationen, seine Ausreise nach Haiti … etc. kümmert, werde ich hier vor Ort die Arbeiten teilweise koordinieren dürfen. Ich freue mich auf diese Herausforderung. Bitte betet, dass Kraft habe meinen Job hier gut zu machen. Dass ich mir meiner Verantwortung bewusst bleibe, keine leichtfertigen Entscheidungen treffe, stets die richtigen Leute vor Ort habe, die mir mit Rat und Tat beistehen. Baumaterial ist in Haiti schrecklich teuer, weil alles importiert werden muss, und recht knapp ist. Für Ausländer werden die Preise meist kurzerhand nochmal verdoppelt. Wenn man sich nicht auskennt, kann man hier sehr leicht über den Tisch gezogen werden. Dass ich kein Kreol, oder wenigstens Französisch spreche, macht die Sache natürlich auch nicht leichter. Mittlerweile verstehe ich ein wenig, aber bei Weitem noch nicht alles.
In Haiti gibt es offiziell 3 Währungen. 1. US Dollar, werden meist überall akzeptiert, in manchen Supermärkten kann man auch nur damit zahlen. 2. Gourdes, die normale und meistgebräuchliche Währung hier. ( USD : GD ~ 1:43) und zuletzt den haitianischen Dollar. Das ist eine Scheinwährung, d.h. damit wird gerechnet, gehandelt, Preise/Belege werden damit ausgestellt, doch gezahlt wird dann in Gourdes. (GD : HD – 1:5)
Das alles kann verwirrend und nervenaufreibend sein, nicht selten kommt es darüber zu Missverständnissen mit den Verkäufern. Doch freut man sich auch über solche kleine ‚Erfolgserlebnisse‘, wenn man den Preis für z.B Bananen von 250 GD auf 50 GD herunterhandelt. Mittlerweile komme ich damit recht gut zurecht, kenne auch ungefähr die Preise, habe gelernt zu verhandeln, weiß wo ich was am Besten herbekomme. Doch nun geht es um weitaus mehr als paar Bananen oder Zwiebeln. Wir brauchen große Mengen an Holz, Steinen, Zement, Werkzeug, hunderte Lastwagen Kies und Erde um das Land aufzuschütten. Außerdem werden  wir mehr einheimisches Personal benötigen. Wir brauchen zuverlässige und ehrliche Leute auf die wir uns verlassen können. Die zu finden ist auch leider nicht einfach hier. Und alles muss bis September fertig sein, weil wir unser jetziges Haus dann verlassen müssen.
Es scheint fast unmöglich zu sein. Doch es schien auch fast unmöglich rechtzeitig das Geld für das Grundstück zusammen zu bekommen. Es schien unmöglich die Lizenz für das Heim zu bekommen. Es schien unmöglich für David Goliath zu besiegen oder für Josua Jericho einzunehmen. Wenn wir Gott vertrauen und seinem Wort glauben wird Unmögliches möglich. Seine Hilfe kommt immer; spätestens rechtzeitig. Preis sei ihm.
Es geht mit Riesenschritten vorwärts gerade. Ich bin froh dabei sein und mithelfen zu dürfen. Bitte betet für uns hier. Betet für Manuela und Susanne, die jetzt ihre letzten paar Wochen hier verbringen. Auch dass ihre Rückkehr nach Deutschland gut verläuft und sie zuhause sich wieder einleben können. Für die Langzeitmissionarinnen die bald hier ankommen. Für Eduard D., der im September für 2 Jahre mit der Familie hier herkommt.
Ich werde meinen Einsatz wohl etwas verlängern. Zumindest bis Eduard D. dann kommt. (für alle die es nicht wissen an der Stelle: Eduard ist Missionsbeauftragter von TAN, verantwortlich für das Haiti-Projekt, davor viele Jahre in Brasilien tätig.)
Bitte betet dass die Zusammenarbeit im Team vor Ort und auch mit der Leitung in Deutschland gut klappt. Dass bei uns stets wohlüberlegte, weise Anweisungen ankommen und wir sie dann auch so ausführen. Wir sind hier in Haiti, dort wo alles geschieht, mitten im Brennpunkt und können eine aktuelle Situation eventuell besser beurteilen. Doch fehlt es uns an Erfahrung, an Weitsicht, wir Kurzzeitler kommen und gehen wieder. Deshalb fällt es uns manchmal nicht einfach Entscheidungen die gut auf die lange Sicht zu treffen oder nachzuvollziehen. Betet dass alle an einem Strang ziehen, es dem Feind nicht gelingt uns gegeneinander aufzubringen. Bisher lief alles recht gut, es soll auch so bleiben.
Mein Mac hat schon lange den Geist aufgegeben, ich schreibe dies mit dem Smartphone. Mein Daumen tut weh und verrenkt sich 😉 ich muss langsam Schluss machen. Eigentlich wollte ich von einem Bäckerei-Projekt erzählen, doch genug für heute, ein anderes Mal.
Danke für eure Unterstützung, finanziell und im Gebet. Betet auch weiter. Es gibt noch viele andere Anliegen, z.B Darlines Heilung vom Syphilis (sie ist wieder in Behandlung), das keines der Kids bei uns aus dem Heim geht, ohne eine Entscheidung für Jesus getroffen zu haben, für Schutz und Bewahrung. Haiti ist sehr unruhig. Viele sind mit der Regierung unzufrieden und protestieren gegen den jetzigen  Präsidenten Michell Martelli. Oft sind die Regierungsviertel von schwerbewaffneten Polizeieinheiten abgeriegelt. Betet für Ruhe und die Regierung. Dass sie das Beste fürs Volk tut …

Fortsetzung folgt.
Vielen vielen Dank für alles. Mwen renmen vouz tout. (Weiß nicht ob das so richtig geschrieben ist, soll aber „ich liebe euch alle“ auf Kreol heißen 🙂 )
Liebe Grüße
Euer Alex.

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