Die Insel, nette Leute und Brownies

Ich sitze gerade in einem kuehlen, modern eingerichteten grossen Appartment, habe Strom, WiFi und einen Laptop , einen vollen Kuehlschrank mit der Erlaubniss jederzeit mir alles zu holen was ich moechte, (hoho, ich garantiere, bis morgen bleibt da nix mehr drinnen 😛 )  Ich habe ein schoenes Badezimmer, fein gekachelt, ich hab warmes Wasser zum Duschen …

Nein Freunde. Ich bin noch nicht in Deutschland. Bin immer noch in Haiti 🙂 . Und ja,  auch hier gibts schoene Fleckchen 🙂 Aber ich fang ganz von vorne an. Alles begann letzten Samstag.

Habe mir paar Tage freigenommen, ein Hotel am Strand gesucht, 3 Tage ausruhen, nix tun, aussschlafen …
Samstag früh aufgestanden, Sonnenaufgang beobachtet, schön gefrühstückt, im Meer geschwommen … Dann wurde mir langweilig. Schon etwas doof. Alleine am Strand. Was tun? So ruhig, keine Kids, fast melancholisch …

Ich dachte: ich guck mir mal den Hafen an. Etwas Kleingeld mitgenommen, n halben Liter Wasser, mein Messer. Dort angekommen sag ich ein kleines Schnellboot. Ich fragte wohin es ginge. La Gonave war die Antwort. Kosten: 5 Dollar. Ich überlegte kurz, stieg ein. Und los ging das Abenteuer :
Die kleine Schelle war absolut überladen. Es sah aus wie eines der Flüchlingsboote die von Afrika nach Europa herüberkommen. Als wir aufs Meer herausführen, merkte ich dass die Insel viel viel weiter weg vom Festland ist als ich vorher dachte. Die Wellen waren so hoch, das Boot schleuderte es ständig hin und her … Als ich endlich nach 45 min im Hafen von La Gonave ankam, war ich total durchnässt.
Endlich legten wir an. Ich fragte den Besitzer, wann es denn zurückginge. Und dann kam die böse Überraschung: Heute gar nicht mehr …
Da stand ich nun. Wie Robinson Crusoe. Allein auf einer kleinen Insel im Karibischen Meer. Nichts dabei als mein Taschenmesser und paar US Dollar. Mein Handy hat bereits auf der Fahrt den Geist aufgegeben … „Jesus, hilf mir!“ … Ich lief paar hundert Meter und da kam auch schon die Hilfe. In Form eines grauen Trucks und eines netten Haitianers in mittleren Jahren. Er sah freundlich aus, lud mich ein in sein Auto zu steigen. Eigendlich sollte man ja hier nie in ein fremdes Auto steigen. Aber was hatte ich fuer eine Wahl *fragezeichen* (der PC den ich jetzt benutze hat eine franzoesische Tastatur. Ich komm damit nicht ganz gut klar, hoffe mein Mac springt bald wieder an. 🙂 )

Also. Michell, (so hiess der Haitianer) fragte mich erstmal aus. Er fragte mich was ich auf der Insel mache. Ich sagte: Keine Ahnung, ich seh mich einfach nur um. Er bot an mir die Insel und die Siedlung zu zeigen. Ok sagte ich, aber ich haette kein Geld dabei. Darauf antwortete er: „Quatsch. Live is not about money. Its about friends and relationship„ . Er war mir von da an richtig sympatisch.

Die Siedlung war nicht sehr gross, und in ner halben Stunde habe ich fast alles gesehen. Da sah ich ploetzlich ein paar Weisse. Ich war ueberrascht hier noch mehr Auslaender anzutreffen. Ich bat Michell anzuhalten, ich stieg aus und ging zu ihnen herueber.

Es war ein Team von Christen aus Amerika, auf einem Kurzmissionseinsatz.

Zunaechst waren sie verdutzt. Sie fragten mich wo ich den hingehoere. Ich sagte: Nirgens. Sie fragten: Wie biste hergekommen? – Mit nem Boot. Was machst du hier? – Mich umsehen. Wo uebernachtest du? – Keine Ahnung.

Sie mussten ueber mich lachen. So einen Chaot, der einfach durch die Gegend zieht haben sie wohl noch nicht getroffen. Das Eis war gebrochen, wir hatten uns gern. Sie luden mich ein mit ihnen zu einem Gottesdienst zu gehen und mit ihnen Geschenke zu verteilen. Warum nicht? Ich kam mit.

Es war eine halbfertiggebaute Schule. Dort waren ca 50 Kinder und paar Erwachsene. Es fand ein Kindergottesdienst statt. Danach kam die Bescherung.

Kennt ihr Weihnachten im Schuhkarton? Genau so etwas war es auch. Es waren Weihnachtspaeckchen, von Amerikanischen Familien fuer die Kinder. Drinnen waren ein-zwei Spielsachen, ein Malblock, Stifte und paar Hygieneartikel.
Weihnachten ist zwar schon paar Monate her, trotzdem haben die Kids sich riesig gefreut. Diese Strahlende Kinderaugen, diese Begeisterung… Ach das war so hammer!!

Da ich bereits paar Fetzen Kreol kann, uebersetzte ich fuer das Team. Irgendwie war ich genau richtig am Platz. Vielleicht wollte mich Gott genau deswegen auf dieser Insel haben?

Ubernachtet habe ich bei Michell. Er ist nicht reich. Aber seine Familie teilte alles mit mir. Sie kochten fuer mich Essen, borgten einen Ventilator fuer ihren Gast und hielten ihn den ganzen Abend bei Laune. Er hat eine nette Frau und liebe suesse Kinder. Ausserdem leben noch sein Cousin und Cousine und paar Neffen in seinem Haus. Als ich kam rueckten sie alle etwas naeher zusammen und nahmen mich in ihre Mitte auf. Michel gab mir sein Bett und schlief selber auf dem Boden. Sie waren so nett zu mir, wie einen Koenig behandelten sie mich. Obwohl sie mich gar nicht kannten!!

Frueh am Morgen weckte Michell mich auf und brachte mich zum Strand. Dann ging es wieder zurueck. Um 8 Uhr war ich wieder in meinem Hotel. Muede, hungrig, aber voller schoener Erinnerungen :))

Ich redete mit der Besitzerin des Hotels. Ich bedauerte, dass ich bereits fuer die Uebernachtung und das Essen bezahlt habe, aber dies nicht in Anspruch nehmen konnte, weil ich auf der Insel feststeckte. Sie kam mir entgegen und sagte, ich koenne noch einen Tag zusaetzlich bleiben, ohne was dazuzuzahlen. Sie war wirklich nett.

Am Sonntag sollte ich nach Hause zurueckkehren. So weit, so gut, doch … Ich hatte keine Fahrmoeglichkeit. Und das Hotel ist ca 100 km von PAP entfernt. Geld hatte ich auch keins, sonst koennte ich ein Motorradtaxi nehmen. Ich betete einfach kurz und ging fruehstucken.

Und die Gebetserhoerung kam sofort. In Form eines netten kanadischen Ehepaars vom Tisch nebenan. Wir kamen ins Gespraech. Ich erzaehlte von mir, sie von sich. Daniel, mitte 40, arbeitet hier fuer die Kanadische Regierung. Seine Frau Diane ist fuer paar Wochen nach Haiti gekommen um ihn zu besuchen. Sie wollten auch nach dem Mittagessen zurueck in die Hauptstadt fahren. Sie fragten mich ob ich mit ihnen mitfahren moechte. Ich sagte natuerlich ja!! Und wieder einmal machte mir Gott klar, dass ich alle Sorgen auf ihn werfen kann. Er sorgt fuer uns. Er laesst uns nicht haengen!

Auf dem Weg konnte ich einiges ueber mich und meine Arbeit hier erzaehlen. Daniel und Diane waren sehr interressiert, also lud ich sie nach Hause ein um ihnen alles vor Ort zu zeigen. Daniel zoegerte kurz, als Diplomat und mit einem Regierungsauto darf man nicht ueberall hin wo man gerne hinmoechte, aber unser Heim liegt in einer relativ sicheren Gegend, und so kamen sie mit.

Die Kids machten alle grosse Augen als der Alex mit einem dicken neuen Auto angefahren kam. Ich stellte dem Ehepaar unser Team vor und zeigte das Haus. sie waren begeistert von der Arbeit die da getan wird. Bevor sie fuhren tauschten wir noch unsere Telefonnummern aus, und versprachen in Kontakt zu bleiben.

Gestern abend klopfte es ploetzlich wieder am Gate. Es waren Daniel und Diane! Sie kamen wieder, und nicht mit leeren Haenden! Diane hatte Bananenbrot und Brownies gebacken, ausserdem hatten sie Fruechte, Spielsachen fuer die Kids und paar Haushaltsgegenstaende fuer uns da. Sie baten uns eine Liste von allen Kindern mit Alter, Kleider und Shuhgroesse zu machen damit Diane zurueck in der Heimat die Sachen suchen und hier herschicken kann. Wir sollten eine Liste mit allen Dingen machen die wir hier braeuchten. Daniel reist oefter hin und her und koennte dann das ein oder andere aus Kanada mitbringen.

Ausserdem gab er uns auch viele gute Ratschlaege wie wir unsere Arbeit hier besser koordinieren und welche Hilfen wir von der Regierung bekommen koennten.

Sie fragten uns was wir denn so an Obst und Gemuese gerne haetten. Wir schrieben alles auf … wir setzten auch Dinge wie z.B. Ananas auf die Liste, etwas was wir uns nicht alle Tage leisten koennen. Und …
Heute standen sie wieder vor dem Tor :)) Mit nem vollen Kofferraum Obst und Gemuese :)) Und 2 Ananas waren auch dabei!

Und es wurde noch besser. Sie stellten uns ihre Wohnug zu Verfuegung. Jederzeit wenn wir uns etwas Ruhezeit goennen moechten koennten wir nach PetionVille fahren und ihr Apparment benutzen.
Sie mussten es nicht 2 mal sagen. Kurzerhand packte ich mein Zeug und fuhr mit ihnen mit. Sie haben ein grosses Gaestezimmer mit Bad, der Kuehlschrank ist voll mit allerlei Leckereien (ok, jetzt wo ich da bin ist er etwas entleert worden 😛 ) , Wifi, ich darf den PC des Hausherrn benutzen, die Wohnung ist einfach der Traum… der ideale Rueckzugsort. Wir brauchen einfach manchmal einen Ruheort. Und den hat uns Gott nun geschenkt. Wie genial er doch ist !!

Manchmal fuehrt Gott so durch Zufaelle … im Nachhinein sieht man aber seine fuehrende Hand ueberall. Ich glaube niemandem mehr der behaubtet es gebe keinen Individuellen Willen Gottes, kein Alpha-Plan fuer mein Leben. Es gibt ihn sehr wohl. Und je mehr wir uns auf Gott einlassen, desto offensichtlicher sehen wir sein fuehren.

Haette ich nicht auf der Insel festgesteckt, waere ich nicht eine Nacht laenger im Hotel geblieben. Waere ich nicht eine Nacht laenger im Hotel geblieben haette ich Daniel und Diane nicht kennengelernt. Haette ich sie nicht kennengelernt, wuerden wir auch nicht ihre Wohnung benutzen duerfen. Und duerften wir ihre Wohnng nicht benutzen, wer haette dann die megaleckeren Brownies und die ganze Wurst aus ihrem Kuelschrank essen sollen? 😉

Kleiner Tipp am Ende: lasst nie einen hungrigen Russen aus dem Schwabenland in eure Wohnung, und gebt ihm ja keinen freien Zutritt zur Kueche :)) sonst werdet auch ihr bald hungern muessen ;))

Hab euch gern! Bis bald !
Euer Alex

6 Comments

  1. Hallo Alex,
    ich kenne dich zwar nicht, aber ich habe deinen Bericht gelesen und…. ich weine!! Vor Erstaunen und Freude wie Gott seine Kinder führt!
    Ich schaue mich gerade auf dieser Seite (missionsblogs) um, weil ich selber gerade in Bolivien bin für ein Jahr und nicht weiß, ob ich Rundmails schreiben soll oder einen missionsblog oder eine eigene Homepage kreieren soll.
    Danke für deinen Bericht! Gottes Segen dir weiterhin!!
    Hedi (aus Bolivien)
    Ach übrigens: Ich würde allzugerne wissen, wer dieser schwäbische Russe war… komme nämlich aus der Nähe vom Schwabenland, habe da viele Bekannte direkt im Schwabenland und bin selbst Russlanddeutsche ^^

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    • Hi Hedi,

      Erstmal wünsche ich dir viel Kraft und Durchhaltevermögen in Bolivien. Das mit dem Blog ist eine super Sache, tu es auf jeden Fall! 🙂 Ich würde ihn sehr gerne lesen und viele Andere denke ich auch!

      Der schwäbische Russe bin ich 🙂 Ich bin russlandsdeutsch, wohne aber im Schwabenland, in der Nähe von Heilbronn. Allerdings ziehe ich diese Woche nach Berlin um mit meinem Studium zu beginnen.

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      • Soso, sogar von Heilbronn. Meine Gemeinde ist in Weinsberg. ^^
        Das mit dem Blog schiebe ich noch ein bisschen raus… ich komm grad so gut wie gar nicht zum Schreiben. Bzw ich habe viele private Mails zu beantworten. Habe nämlich vor wenigen Wochen meinen ersten Bericht verschickt und da kamen so viele tolle Rückmeldungen.. die will ich alle noch beantworten….
        Darf ich wissen, von welcher Gemeinde du bist?
        Grüßle, Hedi

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