Wallowing In Memories

We have fun

So Freunde. 
Nun bin ich wieder in Deutschland, der Einsatz ist vorbei. Am 3. August trat ich die Rückreise an. Familienbedingt bin ich 3 Wochen früher als geplant zurückgekehrt.

Die letzte Zeit war einerseits die schönste, aber auch die schwerste. Abschiede sind doof.

Nie habe ich gedacht, dass die Rückkehr in die Heimat so schwer fallen kann. Am liebsten würde ich sofort alles hier schmeißen und wieder zurückfahren. Ich habe mein Herz in Haiti verloren. 

Oft schätzt man etwas erst, wenn es nicht mehr da ist. Aber ich will nicht sauer sein, vielmehr bin ich Gott dankbar für jeden schönen Augenblick den ich dort erleben durfte.

Nach meiner Rückkehr hatte ich mich auch um einen Studien/Ausbildungsplatz zu kümmern. Ich bewarb mich hier und dort, letztendlich hatte ich 10 Zusagen, doch nichts davon lag mir wirklich am Herzen.
Schließlich fand ich einen Studiengang: Internationale Not und Katastrophenhilfe. Sofort hatte ich die Gewissheit: Das ist es! Sofort bewarb ich mich.

Doch keiner teilte meine Begeisterung. Weder Eltern noch die Gemeinde. Und sie hatten auch gute Gründe: Ein Studium des INK bedeutet dass ich nach Berlin ziehen muss, und nicht mehr in der Gemeinde mitarbeiten kann. Ausserdem ist das Studium kostenpflichtig, insgesamt werde ich weit über 11 000 € nur für Studiengebühren bezahlen müssen.

Ich hatte auch eine Zusage in Künzelsau, ganz in der Nähe. Fach: Energieökologie. Dort wurde mir sogar ein Stipendium angeboten.

Ich war absolut verwirrt. Was sollte ich tun? Wohin gehen? Was wollte Gott von mir?
Von allen Seiten kamen gut gemeinte Ratschläge, doch anstatt mir Klarheit zu verschaffen wurde ich nur immer mehr verwirrt.

Letzten Sonntag wurde mir alles zu viel. Ohne Mittagessen schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr weg. Egal wohin, ich wollte nur weg. Mitgenommen hatte ich nur meine Bibel, einen Stift und etwas zum Schreiben.
Irgendwo im Wald hielt ich an einem Hochsitz an. Ich kletterte hinauf, las etwas in der Bibel, beruhigte mich und betete. Ich bat Gott mir ein Zeichen zu geben: Ganz eindeutig und unmissverständlich wollte ich wissen was ich tun sollte und wohin ich gehen sollte. Ich sagte wörtlich: „Papa, jetzt sag mir bitte was ich tun soll. Energieökologie studieren? Oder Internationale Not und Katastrophenhilfe? Oder willst du etwas ganz anderes von mir? Ich werde nicht nach Hause kommen bis ich es ganz eindeutig weiß.“

Lange saß ich da oben. Las in der Bibel. Betete. Weinte. Betete wieder. Nichts geschah. Kein Zeichen vom Himmel. Keine Offenbarung. Kein Engel kam.

Irgendwann wachte ich auf. Ich musste eingeschlafen sein. Es war mitten in der Nacht, es war dunkel und schrecklich kalt. Ich fror, hatte Hunger und fühlte mich erbärmlich.

Da wurde ich richtig sauer auf Gott. Warum antwortete er mir nicht? Warum ließ  er mich so im Ungewissen hängen? Was hatte es auf sich mit all den Geschichten der Bibel, wo Menschen ernsthaft nach dem Willen Gottes fragten, und er ihn ihnen klar und unmissverständlich offenbarte?

Und plötzlich wurde es ganz ruhig in meinem Herzen. Die Kälte spürte ich kaum, und der Hunger war irgendwie weg. Ich hatte keine Vision oder ähnliches, aber ein tiefer Friede kam in mein Herz und mir war es, als hörte ich Folgendes: „Mein Kind, du willst es sehr einfach haben. Ich gab dir den freien Willen, du kannst selber entscheiden welchen Weg du gehen willst. Ich werde mit dir sein und dich segnen, wenn du dich immer ganz auf mich verlässt. Wenn jede Minute deines Lebens im Dienst für deinen Nächsten und für mich gewidmet ist und alle deine Entscheidungen davon geprägt sind, kannst du sicher sein den rechten Weg zu gehen.“

Es war schon früh am Morgen als ich endlich zu Hause ankam. Müde, hungrig, aber glücklich. Ich wusste nun was ich zu tun hatte.

2 Tage später fuhr ich nach Berlin um mich um eine Wohnung zu suchen. Ich hatte noch keine Zusage von der Hochschule, doch wusste ich genau dass sie noch kommen wird. Und so war es auch: Sobald ich dort war kam eine Mail mit der Zusage. „Danke Gott! :)“ Jetzt fehlte nur noch die Wohnung.

Und ich wurde fündig. Im Lichterfelde, dem teuersten und reichsten Stadtteil Berlins, in einer  prächtigen Villa wurden Zimmer vermietet. Ich kam vorbei und besichtigte diese. Der Preis war mit 180 Euro im Monat lächerlich gering, so war es nicht zu verwundern, dass entsprechend viele Interessenten sich dafür bewarben. Eigentlich unwahrscheinlich dass ich genommen würde. Aber: Mein Daddy da oben legte alles so, dass ich dieses Wochenende schon einziehen kann. Praise him! :))

So werde ich ab nächste Woche in Berlin die Grundlagen der Katastrophenhilfe erlernen dürfen. Wie genau ich dieses Wissen in Gottes Reich und der Mission einsetzen kann weiß ich noch nicht genau. Die Zeit wird es zeigen.

Ob ich damit Geld verdienen und eine Familie ernähren kann wurde ich letztens gefragt. Nun, würde ich Energieökölogie studieren hätte ich sicher mehr verdienen können. Als gut bezahlter Ingenieur bei Würth z.B. Aber … Warum soll ich mir jetzt Sorgen wegen Geld machen? Sagt Jesus nicht: „Trachtet zuerst nach Gottes Reich, und alles andere wird euch zugetan.“ Und, wenn er für die Spatzen auf dem Feld sorgt, dann für mich erst recht. Auch wenn ich manchmal nicht viel mehr Hirn als ein Spatz habe. Auber darauf kommt es nicht an 🙂 Einen Vogel haben wir Christen doch alle.
Die meisten jedenfalls.

Zum Schluss noch ein kleines Zeugnis, für alle, die an Wunder nicht mehr glauben:

Auf meinem Rückflug von PAP nach Frankfurt durfte meine Tasche durfte nur 20 kg wiegen. Deshalb kaufte ich mir extra in Haiti eine Waage, so dass ich auf gar keinen Fall Übergepäck zahlen muss. Zur Sicherheit packte ich meine Reisetasche so, dass sie genau 19 kg wog und ich noch einen kg Reserve hatte. Sicher ist sicher.

Am Flughafen angekommen stellte ich bei der Gepäckabgabe fest, dass sie plötzlich 22 kg wog. 3 Kilo mehr!! Ich hatte keine Zeit zum wundern, schnell öffnete ich sie und legte wahllos paar Dinge in mein Handgepäck. Darunter auch meinen Mac, Kamera und 2 Festplatten. Wert all dieser Gegenstände: Über 2000 Euro. Wieder stellte ich den Koffer auf die Waage, diesmal stimmte alles, ich ging an Bord.

In Frankfurt kam die böse Überraschung: Der Koffer ist nicht angekommen. Man versprach aber ihn mir am Folgetag zu liefern.

5 Wochen musste ich warten. Und als der Koffer endlich ankam, wog er nur noch die Hälfte. Alles Wertvolle war entwendet. Alle Briefumschläge aufgerissen. Alle guten Kleidungsstücke fehlten.

Zuerst wollte ich ausrasten. Dann erinnerte ich mich aber an die 3 Kilo Übergewicht. Mir wurde klar, dass Gott eingegriffen und ein kleines Wunder vollbracht hatte. Er brachte mich dazu meine Wertgegenstände aus dem Koffer zu nehmen, so dass sie nicht gestohlen werden können. Und wieder einmal hat mein Papa gezeigt, dass er überall die Finger mit im Spiel hat!! Und dass er oft, wenn er sieht dass wir unbewusst einen Fehler getan haben, selber eingreift und alles selber wieder in Ordnung bringt. Meistens merken wir das nicht einmal. Wie genial er doch ist!! 🙂IMG_0950

Im Camp Canaan II

Zuallerletzt möchte ich noch ein RIESIGES DANKESCHÖN allen sagen die in meiner Zeit in Haiti für mich gebetet und gespendet haben. Vor kurzem rechnete ich zusammen was alles auf mein Privatkonto in dieser Zeit geflossen ist und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Jedes mal wenn am Ende des Monats die Kreditkartenrechnung anstand, war immer genau so viel da wie es nötig war! Nie zuviel oder zu wenig. Menschen haben mir Geld überwiesen, die ich gar nicht kannte. Wie sie meine Kontodaten bekommen haben, keine Ahnung 🙂

Den Dienst den ich in Haiti verrichten konnte, ist nur dank eurer Gebete und Unterstützung möglich gewesen. Ihr alle wart Missionare in Haiti. Gott wird es euch belohnen!!

Ich bin nun zwar in Deutschland, aber mit Haiti ist es noch lange nicht vorbei. Wie es genau weitergeht werdet ihr hier bald erfahren.

Gottes Segen.

Euer Alex

4 Comments

  1. Lieber Alex,
    danke für deine herzliche Offenheit und Ehrlichkeit !!!
    Das ist wirklich das Beste, wenn wir uns alles bei Jesus „abgucken“ …
    Leider bin ich (.. wir ? ) oft so vergesslich oder so sehr mit dem „Tagesgeschäft“ beschäftigt, dass ich erst viel später feststelle, dass ich es hätte viel besser haben können, wenn ich nicht alleine herumgewurschtelt hätte, sondern alles und auch mich ganz Jesus anvertraut hätte….
    Auch ich möchte noch viel länger, öfter und völliger auf den „Berg“ gehen.

    Liebe Grüße und Gottes Segen und Geleit für dein Studium (der Anfang war ja wirklich eine Perlenkette von Wundern …. => Gott sei Lob und Dank !!! )
    Christiane

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    • Hallo Christiane,

      ja du hast völlig recht. Manchmal hat Jesus Geniales für uns parat. Wir müssen uns nur im Glauben darauf einlassen und ihm blind vertrauen. Ziemlich schwer heutzutage!
      Und ja, auch ich suche viel zu selten den ‚Berg‘ auf. Sollte man öfter tun! 🙂

      Reply
  2. Hallo Alex 🙂
    Ich kenne dich zwar nicht, bin aber auf deinen Blog gekommen weil ich nach Einsatzmöglichkeiten in Haiti gesucht habe. Ich denke darüber nach nach meiner Ausbildung ca. 1 Jahr ins Ausland zu gehen und Haiti liegt mir seit mehreren Jahren aus versch. Gründen besonders am Herzen. Ich wollte fragen wo du in Haiti gearbeitet hast – also ob es eine bestimmte Missionsgesellschaft war oder ähnliches.
    Würde mich über eine Antwort freuen!
    LG Luisa

    Reply
    • Hi Luisa,

      Klasse dass du ein Herz für Mission hast und nach Haiti gehen möchtest! 🙂 Ich war mit To-All-Nations dort. . Ich werde in den nächsten Tagen dir mal eine Mail schreiben mit paar Infos und den Kontaktdaten der zuständigen Personen dort.

      Grüßle
      Alex

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